Posts mit dem Label Ausland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ausland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 3. August 2017

Karneval in Rijeka

Ich stelle mir vor, wie ich auf einem Felsen am Strand sitze, die Füße in das mittlerweile sehr kühle Wasser halte, ein sladoled in der Hand, es schmeckt herrlich süß nach Pistazien: Ein lauer Sommerabend in einer beliebigen kroatischen Hafenstadt. Die Möwen kreischen über den seichten Wellen und die Kätzchen hinten auf der Promenade betteln die Touristen mit lautstarkem Miau um Streicheleinheiten an.


Genau so war es in den vielen Jahren, in denen meine Familie und ich unseren Sommerurlaub in Kroatien verbrachten. Oft waren wir auf Rab, später dann in ganz Istrien unterwegs. Es war für mich als Kind eine ganz große Liebe und vielleicht sogar meine erste Richtige. Jedenfalls hatte ich nur schöne Erinnerungen an dieses Land, was mir so oft den Atem geraubt hat. Kein Wunder, dass ich es Jahre später noch besser kennenlernen wollte und mich dafür entschied, ein Auslandssemester in der Hauptstadt Kroatiens zu machen. Im Spätherbst 2014 packte ich meine sieben Sachen und zog für ein halbes Jahr nach Zagreb. Ein Winter im Land meiner Träume!


Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Denn jetzt ist Sommer. Also möchte ich dir eine Stadt vorstellen, die sowohl im Sommer als auch im Winter fantastisch ist: Rijeka! Ich verbrachte dort ein Wochenede im Spätsommer (aber wir hatte Glück und konnten im Oktober noch in der Adria schwimmen) und eins im Winter, denn wir wollten die Rijekaer Karnevalstraditionen kennenlernen.


Ich war sehr gespannt auf das, was uns erwarten würde. Als gebürtige Bielefelderin kann ich diesem sogenannten Karnvel (lass' es auch Fasching oder Fasent sein. Nenn es, wie du willst) überhaupt nichts anfangen, und jetzt, wo ich im Ruhrgebiet lebe, verbringe ich diese Tage gerade deswegen am liebsten zu Hause. Dennoch war ich neugierig auf die kroatische Version des Straßenkarnevals. Und die hatte es gehörig in sich: Als wir um acht Uhr am Abend den Bus zurück nach Zagreb nahmen, war die Parade noch immer in vollem Gange. Zu dem Zeitpunkt lief sie immerhin schon acht Stunden!


Wir bestaunten die zahlreichen verkleideten Gruppen aus dem In- und Ausland. Auch, wenn wir ihre Botschaften selten richtig verstanden - was wir von den feiernden Karnevalisten auf jeden Fall verstanden war ihre gute Laune, ihre herrlich ansteckende Fröhlichkeit. Auch wir ließen uns davon mitreißen, tranken ein Bier und noch eins und dann erst einen Kaffee. Zwischendurch kam sogar mitten im Februar die Sonne raus, und wir fühlten uns wie in einem kleinen Urlaub.


Wir feierten gemeinsam mit ein herrlich buntes internationales kleines Karneval. Wie viel schöner konnte es denn noch werden?


Gar nicht, wurde es auch nicht. Denn dieser Tag bedeutete auch das Ende meines Auslandssemesteres. Im Kopf war ich fast schon mit dem Packen für die Rückreise beschäftigt. Ich verabschiedete mich in Rijeka von meiner lieben Mitbewohnerin, die mit ihrer Freundin weiter nach Krk reiste, und auch die anderen Mädels würde ich nur noch einmal auf ein Stuck Kuchen in unserem Lieblingscafé in Zagreb treffen.

Vor wenigen Tagen dachte ich noch daran, dass ich gern ein paar Posts über Kroatien schreiben würde. Heute sehe ich dann, dass die Blogparade Reiseglück bei der lieben Yvonne von Puppenzimmer sich genau darum dreht: um das schönste Land der Welt. Deswegen wollte ich nicht länger warten. Welchen besseren Zeitpunkt kann es geben? :)

Mittwoch, 21. Juni 2017

10 Anregungen zum Kofferpacken vor deinem Erasmus-Semester oder vorm Langzeitreisen

Packen für ein Auslandssemester oder eine lange Reise ist so eine Sache für sich. Es ist toll, weil man sieht, was man eigentlich alles so hat. Man sieht, was man nicht mehr braucht und kann das direkt aussortieren (yeah, befreiend!). Man erinnert sich daran, was für tolle Klamotten man hat. Wenn man jedoch so ist wie ich, ist es eine Qual, denn anschließend verbringe ich jede Minute damit, mich zu fragen, was ich alles vergessen habe. Ein bisschen ruhiger werde ich allerdings, wenn ich mich an diese 10 goldenen Regeln zum Kofferpacken halte.



1. Besorge dir Packing Cubes.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber es ist wirklich leichter, einen geordneten Kofferinhalt damit zu verstauen. Gib' einfach "Packing Cubes" in eine Suchmaschine ein und du wirst einige günstige Angebote finden. Für mich waren sie während des Aufenthalts noch praktischer, denn ich habe sie nach dem Einzug in meine Erasmus-WG zur Sockenschublade in meinem Schrank umfunktioniert.

2. Nimm keine Kleidung mit, die du nicht kombinieren kannst. Ohne Ausnahme!

Ich habe zum Beispiel meine braune Strumpfhose eingepackt, weil ich dachte, sie sei bestimmt mal nützlich. Ich habe sie genau 0 Mal getragen, weil ich kein passendes Kleid oder Rock dabei hatte. Bei einer Strumpfhose ist das nicht so dramatisch, weil sie nicht viel Platz wegnimmt, aber bei anderen Teilen kann es durchaus von Bedeutung sein.

3. Überlege, was du auch im Gastland günstig anschaffen kannst.

Ich habe nicht viele Badezimmerutensilien mitgenommen, weil ich wusste, dass ich diese Sachen auch in Polen bekommen würde. So ging ich am ersten Tag zur Drogerie, um mich mit Shampoo, Spülung und co. einzudecken. Für mich war das einfach, da ich eigentlich alles vertrage und keine besonderen Vorlieben habe. Außerdem ist die Produktpalette vom Rossmann in Polen fast die gleiche wie in Deutschland, ergänzt durch einige gute polnische Produkte. Auch ein Bettlaken fand ich günstig beim polnischen Kik oder bei TLX und das hat mir viel Platz im Koffer gespart. Außerdem zuhause lassen könntest du deinen Regenschirm (die gehen sowieso schnell kaputt, also kannst du dir vor Ort direkt einen funktionstüchtigen kaufen), viele paar Socken und die Lieblingssüßigkeit (die meisten sind so international, dass du sie überall bekommst).  

4. Verzichte nicht, auf was du nicht verzichten kannst.

Okay, das ist nicht unbedingt ein Tipp zum Platzsparen. Aber den Platz, den du sparst, weil du dein Shampoo im Gastland kaufst, kannst du dafür nutzen, ein paar nette Kleinigkeiten mitzunehmen. Es war irrational, aber ich wollte nicht ohne ein paar hübsche Rollen Masking Tape, einen Klebestift und ein paar Notizhefte losfahren. Und ich bin noch immer froh darüber, weil ich diese Sachen tatsächlich öfters nutze, um irgendetwas zu gestalten. Auch ein paar kleine Dekofiguren habe ich mitgenommen, weil ich mich direkt heimischer gefühlt habe, nachdem ich sie aufgestellt hatte. 

5. Plane so, dass du nicht alle Dinge wieder mit zurücknehmen musst.

Nimm die älteste Bettwäsche aus dem Haushalt deiner Eltern mit. Ich habe eine 20 Jahre alte Gummibärchen-Bettwäsche in mein Erasmussemester mitgenommen. Ich benutze sie seit Jahren nicht mehr und ich hänge nicht an ihr, deswegen kann ich sie an meinem letzten Tag in Danzig ganz entspannt in die Altkleidersammlung werfen. Genau so verfahre ich mit den Socken, die in meiner Zeit hier Löcher bekommen haben und den Schuhen, von denen sich mittlerweile die Sohle ablöst. Okay, sowas kann man nicht immer planen, aber du verstehst, was ich meine.

6. Frag deine Mutti/deine beste Freundin/deine Mitbewohner/..., ob du auch nichts vergessen hast.

Ohne meine Mutti wäre ich noch immer verloren und hey, das finde ich voll okay. Irgendwie weiß sie halt wirklich alles besser ("Willst du nicht noch einen kleinen Spiegel mitnehmen, damit du dich in deinem Zimmer schminken kannst?" - Das hat sich wirklich als sehr praktisch erwiesen). 

7. Wenn du noch nicht direkt in dein endgültiges Zimmer einziehen kannst, packe einen der Packing Cubes mit den Sachen, die du für die ersten paar Tage brauchst und lege ihn ganz nach oben.

Für mich waren das Unterwäsche, ein paar Wechselklamotten für tagsüber und auch zum ausgehen am Abend. Ich fand es mehr als komfortabel, die Sachen direkt bei der Hand zu haben, anstatt den ganzen Koffer nach ihnen durchwühlen zu müssen (und nachher jedes Teil wieder zu falten und hineinzusortieren).

8. Einige schwören darauf, ihre Klamotten zu rollen anstatt zu falten.

Angeblich nehmen die Kleidungsstücke so weniger Platz ein und zerknittern nicht. Ich fand es mit dem Falten einfacher, weil ich jedes Teil problemlos wieder rausnehmen und neu anordnen konnte (das musste ich beim packen vor der Anreise zu meinem Erasmussemester sicher drei Mal machen, damit ich mehr in den Koffer bekam). Über die Vorliebe für's Rollen könnt ihr hier nachlesen oder hier anschauen.

9. Nimm einen Putzlappen mit.

Es war luxoriös, dass ich mein Zimmer mit diesem Lappen einmal auswischen konnte, bevor ich meine Sachen ausgebreitet habe. Der Vorbewohner hatte doch einige Barthaare hinterlassen und ich war heilfroh, die entfernen zu können, BEVOR ich überhaupt richtig angekommen war.

10. Breite alles, was du mitnehmen möchtest, auf deinem Bett aus. 

Du bekommst dadurch einen guten Überblick, ob deine Planung realistisch ist und alles in deine(n) Koffer passt. Versuche also erst, die ALLERwichtigsten Sachen für dein Erasmussemester einzupacken und wenn dann noch Platz ist, stopfe so viel wie möglich vom Rest hinein.

P.S.: Wenn du noch mehr Inspiration zum Kofferpacken für ein Erasmussemester brauchst: Hier ist meine erste, hier meine zweite Packliste!

Dienstag, 13. Juni 2017

Diese drei merkwürdigen Dinge sind mir in meinen Erasmussemestern passiert

Dass ein Erasmussemester eine großartige Erfahrung ist, muss ich wohl nicht weiter erwähnen. Das weißt du schon. Man erlebt tolle Dinge, die einem zuhause so nicht passiert wären: man findet internationale Freunde, futtert sich durch die lokale Küche, verbessert seine Sprachkenntnisse, lernt, dass man mit weniger Schlaf auskommt und auch, dass mehr Schlaf trotzdem besser ist. Man verreist, lernt, kocht, isst Kuchen und sonnt sich. Wenn die Sonne sich mal blicken lässt. Und noch so viel mehr und jeder erlebt andere tolle Dinge.

Natürlich ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen (in 90% der Zeit aber schon, wenn man das so will). Manchmal habe ich mich einsam gefühlt. Ich habe meine Freunde vermisst und meine Familie oder die gute Rostbratwurst vom Grill. Ich habe mich von den hiesigen Dozenten unverstanden gefühlt und es wurde nicht entschuldigt, wenn ich den Raum nicht sofort fand und deswegen zu spät war. Ich saß in schäbigen Bars und hatte darauf keine Lust und musste trotzdem bis zum ersten Zug am nächsten Morgen ausharren. Das ist normal und das passiert wohl jedem einmal. Bis heute blicke ich jedoch auf drei skurrile Ereignisse zurück, die während meiner beiden Auslandssemester passierten. Sie verlangen mir noch immer ein Kopfschütteln ab. Here we go:

3. Eine Freundin und ich kauften in Polen am Bahnhof eine Fahrkarte von Malbork zurück nach Danzig-Wrzeszsc. Jedenfalls wollten wir das, aber die Dame am Ticketschalter stellte nur eines bis zum Hauptbahnhof aus, also eine Haltestellte vorher. Das haben wir leider erst im Zug realisiert. Am Hauptbahnhof entschieden wir uns dann, die eine Station weiter zu fahren, denn schließlich wurden unsere Tickets kurz vorher kontrolliert, wir wiegten uns also in Sicherheit. Falsch gedacht! Ein anderer, älterer Kontrolleur kam vorbei, bemerkte, dass unser Ticket nicht bis nach Wrzeszsc galt und schrie uns wütend an. Die ganzen fünf Minuten der restlichen Zugfahrt schrie er und schrie er uns auf Polnisch an. Ich habe nicht alles verstanden, aber er wiederholte oft eine Frage: "Glaubt ihr, dass wir Polen dumm sind? Ein Ticket für eine falsche Station kaufen und dann weiter fahren? Glaubt ihr, dass wir dumm sind? Eine Frechheit ist das!" Meine Freundin und ich wurden immer kleiner. Wir sanken sehr tief in unsere Sitze. Der Kontrolleur hielt einen vorbeigehenden Fahrgast an und sagte zu ihm: "Kannst du das glauben? Die denken, wir Polen sind dumm. Die kaufen einfach eine falsche Fahrkarte!" Wir wurden noch viel kleiner. Am schlimmsten war unsere Unmündigkeit. Wir konnten zwar etwa verstehen, was er sagte, hatten aber keine Chacne, uns zu verteiden, ihn darum zu bitten, damit aufzuhören. Der Kontrolleur da wollte kein Geld von uns, der hatte einfach Spaß daran, uns zu beleidigen. Ich fühlte mich sehr ungerecht behandelt und war danach ein paar Minuten einfach sprachlos.

2. Ich bestellte in einem Einkaugszentrum in Zagreb Chinanudeln bei einem Imbiss. Da der Mensch hinter dem Tresen mein Kroatisch nicht verstand, versucht ich es auf Englisch. Er nahm meine Bestellung an und fragte dann, woher ich denn käme. Ich antwortete wahrheitsgemäß, ich käme aus Deutschland, worauf er "Heil Hitler" zu mir sagte. Ich war einfach sprachlos. Ich erinnere mich daran, dass mir der Unterkiefer tatsächlich herunterklappte. Als ich mich etwas gefangen hatte, wusste ich vor Empörung noch immer nichts zu sagen. "Das sagt man nicht.. das macht man nicht!", stotterte ich unbeholfen. Doch meine Aufklärungsversuche waren umsonst, das interessierte ihn gar nicht mehr. Bis heute bin ich schockiert darüber, dass es solche ungebildeten Menschen auf diesem Planeten gibt.

1. Ich fuhr gegen zehn Uhr abends in Zagreb mit der Tram zu einem Freund. Es war sehr kalt draußen, deswegen zog ich mich dick an. Ich musste bei der Haltestelle Držićeva umsteigen und setzte mich nach ganz vorn in den Wagen. Ein etwas rundlicher Mann setzte sich auf den Stuhl hinter mir. Ich dachte mir nichts dabei und war in Gedanken vertieft. Kurz bevor die Straßenbahn an meiner Haltestelle hielt, schaute ich in das Fenster, weil ich mich darin spiegelte. Ob meine Haare auch noch gut aussehen (natürlich tun sie das!)? Ich sah zwar meine Haare, aber mein Blick fiel auf den Mann hinter mir. Wow, der hat aber ein dickes Bockwürstchen in der Hand. Ein... Bockwürstchen?! Es dauerte ein paar Sekunden, bis ich realisierte, dass dieses Würstchen in seiner Hand keines war, sondern sein Penis. Er hatte den Hosenstall offen, bearbeitete das Ding und sah dabei mein Spiegelbild im Tramfenster an. Ich überlegte kurz, ob ich mich übergeben sollte. Dann sprang ich, so schnell es eben ging, aus der Tram heraus und sah, dass er mir gefolgt war. Geistesgegenwärtig sprang ich noch vor der gerade anfahrenden Tram über die Schienen und rannte, was das Zeug hielt, die Straße hinauf, bis ich bei meinen Freunden angekommen war. Ich war noch nie so froh, eine Tür hinter mir abschließen zu können. 

Politisch unkorrekt und sexuelle Belästigung. Ich bin glimpflich davongekommen und froh darüber, dass mir noch nie etwas wirklich schlimmes passiert ist. Diese drei Geschehnisse erinnern mich trotzdem daran, stets vorsichtig zu sein. Auch, wenn sie sehr unangenehm waren, schmälern sie keinesfalls die wunderbaren Erfahrungen, die ich sonst in meinem Auslandssemster in Kroatien und in Polen gemacht habe. Es waren traurige Einzelfälle! Die positiven Ereignisse überwiegen auf jeden Fall in beiden Semestern deutlich!

Habt ihr auf Reisen schon skurile Erfahrungen gemacht?

Dienstag, 9. Mai 2017

Ein Tag Urlaub in Pommern: Słupsk und Darłowo

Der für deutsche Muttersprachler mehr oder weniger unaussprechliche Name der Stadt, Słupsk, ist mehr oder weniger die einzige Hürde, die wir auf unserem Ausflug nach Hinterpommern meistern müssen. Von Danzig aus trennen uns lediglich 120 Kilometer von dieser 100.000 Einwohner großen Stadt - die schafft man in zwei Stunden Bummelzug. Und diese Fahrt war schon ein kleiner Höhepunkt. Denn im polnischen Pommern ist vieles so, wie wir das aus alten Heimatfilmen kennen: Viele Wiesen und Felder, viel Wald, hohe Bäume, und alles spielt herrlich intakt zusammen. So konnten wir von unserem langsam tuckelnden Zug aus einen Fuchs, Störche, Kraniche und unzählige Rehe sehen. Ich bin nun mal - mehr oder weniger - ein Stadtkind (In meiner Heimatstadt, die durchaus dörfliche Strukturen hat, leben immerhin etwa 40.000 Menschen), deswegen hat mir das gleich gute Laune bereitet.


Von der zweistündigen Zugfahrt müssen wir uns erstmal mit einem ziemlich polnischen Softeis erholen. Die Dame am Eisstand freut sich über unsere eher dilettantischen Versuche, unser Eis auf polnisch zu bestellen - umso besser schmeckt es dann auch. Mit dem Eis in der Hand spazieren wir die Aleja Wojska Polskiego herunter. Hier reiht sich ein Jugendstilhaus ans nächste. In der Mitte der Straße führt eine Allee mit vielen Bänken die Besucher durch diese gealterten Schönheiten.


Wir halten uns rechts, vorbei am alten Rathaus, gehen über den Platz der ersten Bürger von Słupsk und dem Denkmal "Der Gebeugte" weiter durch das Neue Tor und spazieren nun gemächlich vorbei an alten Speichern, der alten Słupsker Straßenbahn, der alten Hauptpost und vielen alten Kirchen. Alt wird in Słupsk nämlich groß geschrieben (im übertragenen Sinn): Viele Gebäude stammen aus der Zeit, in der die Stadt noch Stolp hieß und mehrheitlich von Deutschen bewohnt wurde. Sie hielten der russischen Besatzung nach dem zweiten Weltkrieg glücklicherweise stand. Deswegen können wir sie an diesem schönen Tag bewundern.




Der Fluss Słupia durchquert das gemütliche Großstädtchen, dass sich an diesem Tag eher von seiner provinziellen Seite zeigt. Wir schreiben ja auch den 1. Mai, und der ist auch in Polen ein Feiertag, und so sind nur wenige Autos, dafür umso mehr entspannte Spaziergänger, unterwegs.


Wiesen und Wälder, Fachwerkhäuser und Backsteintürme. Und das mitten im Zentrum der 100.000-Einwohner-Stadt.

Nach zwei Stunden zieht es uns weiter. Wir nehmen den Bus und fahren eine Stunde durch die schönsten kleinen Bauerndörfer. Hübsche Ensembles aus Fachwerkhäusern, daneben Pferdeställe und Bauern, die ihre Felder bestellen. Schließlich erreichen wir Darłowo: Bis 1945 nannte sich dieses kleine, verschlafene Stranddörfchen noch Rügenwalde. Die berühmte Mühle aus der Werbung gab es übrigens nie wirklich hier, das Unternehmen fing hier allerdings mit einer einfachen Metzgerei als Familienbetrieb an. Was für uns aber viel wichtiger war: Darłowo liegt direkt an der Ostsee, und hier soll sie zudem besonders schön sein. Zumindest schöner als das, was wir vielleicht aus der Danziger Bucht gewöhnt sein sollen (und die ist schon ein Träumchen für heiße Sommertage).


Einen kurzen Gang durch das kleine Städtchen wollen wir uns aber auch nicht entgehen lassen. Deswegen schlenderen wir zunächst die kleine Hauptstraße entlang und kommen am schönen alten Rügenwalder Schloss vorbei. Dort drinnen ist seit den 1920er Jahren das Heimatmuseum der Stadt. Die alte Hauptstraße mündet in den schönen kleinen Marktplatz.
Den fehlenden Putz finden wir gerade schön. Immerhin zeigt es, dass die Häuser bewohnt sind, dass in der Stadt leben herrscht und dass ihre Bewohner schon einiges mit ihr durchgestanden haben. Vom Krieg blieb das Dörfchen glücklicherweise größtenteils verschont. Das freut uns, so soll das sein!

Schließlich suchen wir den Weg Richtung Küste. Immer am Kanal entlang. Viele Einheimische radeln am Wasser entlang oder machen ihren Feiertagsspaziergang. Aber wir sind fast immer die schnellsten, denn wir haben es eilig, schließlich wollen wir die See ein wenig genießen, bevor wir zum letzten Bus des Tages zurück am Busbahnhof sein müssen. Ein schöner Weg, der uns schließlich ans Ziel bringt.
Wir schlendern bis zur steinernen Mole hinunter und genießen dort die Sonne, die sich in diesem Frühling bisher viel zu selten gezeigt hat! Ein paar Tropfen Ostseewasser bekommen wir auch ab, denn die Wellen preschen stark gegen die Steine. Wie schön! Fast wie im Urlaub.
Doch schon bald wird es Zeit, den Rückweg anzutreten. Wir folgen auf dem Steg dem Piratenschiff, das in den Kanal einläuft, ein bisschen. Wie schön es doch wäre, wenn wir damit nach Hause segeln könnten! Doch plötzlich bemerken wir, dass die Zeit ziemlich knapp wird. Eine halbe Stunde haben wir noch, bis der letzte Bus zurück nach Słupsk abfährt. Ich checke den Weg auf meinem Smartphone und sehe, wie viel wir uns verschätzt haben: eine Stunde soll der Weg zu Fuß dauern! Wir suchen ein Taxi und finden keins. Bis ich schließlich ein junges Pärchen auf Polnisch anspreche: "Entschuldigung, sprechen Sie Englisch?" Glücklicherweise bejahen sie, aber: ein Taxi sei schwer zu bekommen. - "Wohin wollt ihr denn fahren? Zum Busbahnhof? - Wir fahren in die gleiche Richtung. Wir können euch mitnehmen!" So haben wir wieder einmal die polnische Gastfreundlichkeit erleben dürfen, ohne die wir vermutlich in Darłowo hätten übernachten müssen. (Even though you will never read this, dear Polish couple: I am still really thankful that you saved our asses!) Ein schönes Ende für diese Tour!

Montag, 27. März 2017

6 Dinge, die in deinem zweiten Erasmus-Semester anders sind als im Ersten

Die gängigen Klischees über Erasmus-Semester kennt jeder: viel Party, viel Bier, wenig Uni, viel Reisen. In etwa so lief auch mein erstes Auslandssemester ab. Ich war wirklich viel unterwegs. Ich empfand es als etwas besonderes, mit Menschen aus fünf verschiedenen Ländern am gleichen Tisch zu sitzen und einen Kaffee zu trinken oder an einem Dienstag ziemlich angeschipst bei -7°C um vier Uhr nachts eine Stunde nach Hause zu torkeln, oder jeden Monat ein paar Nächte in einem Hostelbett in einer anderen Stadt oder sogar in einem anderen Land zu verbringen (Hallo, Slowenien!) oder in der Uni nicht viel mehr machen zu müssen, als täglich zum Sprachkurs zu gehen und dabei auch noch massig Spaß haben.


Das ist für mich auch noch immer etwas besonderes, jetzt, wo ich mitten in meinem zweiten Erasmussemester stecke. Aber es ist alles ganz anders. Jetzt, zweieinhalb Jahre später, ich bin mittlerweile 25 Jahre alt, lebe in einer netten WG, habe den Bachelor bereits in der Tasche, bin in einer festen Beziehung und bekomme mein Leben in Deutschland eigentlich ganz gut auf die Reihe. Ich wollte noch einmal, vielleicht ist es das letzte Mal für längere Zeit, aus diesem herrlich einfachen, geordneten Leben raus. Ich dachte, ich wüsste, wie Erasmus läuft und dass es deswegen genau die richtige Methode wäre, nochmal was zu erleben. 

In der Kalkulation habe ich dabei aber genau diese zweieinhalb Jahre nicht bedacht, die ich jetzt älter bin. Ich habe nicht bedacht, wie sehr sie mich reifen ließen und mich verändert haben. Ich hielt es gar nicht für möglich und dachte, ich sei noch die Gleiche wie damals. Deswegen möchte ich nun hier meine beiden Auslandssemester vergleichen. Denn unterschiedlicher hätten sie nicht sein können.

1. Du hast weniger Spaß daran, einfach nur betrunken zu sein
In Kroatien habe ich viel Bier getrunken. Alle haben viel Bier getrunken. Es war mit Sicherheit auch deswegen immer lustig. Heute trinke ich auch gerne mal einen Tee oder wir treffen uns, um gemeinsam zu essen, und nicht unbedingt, um gemeinsam Alkohol zu trinken. Und das ist auch gut so. 


2. Du gerätst nicht mehr in Ekstase, wenn du Kaffee mit einer Peruanerin, einer Französin, einem Litauer, einem Koreaner und einer Kroatin trinkst
Klar, das ist noch immer eine großartige Angelegenheit. Aber am Abend liegst du nicht mehr mit offenen Augen im Bett und denkst, "BOAH! KRASS!" Die multikulturellen Bekanntschaften sind irgendwie schon Normalität für dich. 


3. Du musst nicht jedes Wochenende verreisen, weil du die interessantesten Städte schon kennst
Nach dem ersten Erasmussemester war ich ziemlich viel in Europa unterwegs. Wie man so schön sagt wurde ich dort wohl vom Reisefieber angesteckt. Deswegen bin ich nun in Polen ein wenig resigniert, denn die "Big Three" des Landes - Warschau, Krakau (mit Zakopane) und Danzig - kannte ich bereits. Das ist auch gut so, denn so muss ich mich den Gruppenreisen nicht anschließen, um diese Städte zu erkunden (siehe Punkt 1). 

4. Du weißt deine guten Freunde zu Hause mehr zu schätzen
In Kroatien hatte ich nie Heimweh, weil ich an meinem ersten Abend die vier Mädels kennengelernt hab, mit denen ich das ganze Halbjahr zusammen verbracht hab. Wir waren direkt das, was man als "Freunde" bezeichnet. In Polen hingegen wünsche ich mir oft, ich könnte meine Freunde aus Deutschland sehen, weil ich es jetzt viel mehr wertschätze, wie ungezwungen ich mit ihnen sein kann. Und wie ungezwungen sie auch mir gegenüber sind. Denn hier ist alles bislang oberflächlicher, was viele Mitstudenten dazu veranlässt, sich ständig selbst präsentieren zu wollen. 



5. Du kannst besser einschätzen, was und wen du magst und was nicht
Ich bin jetzt weniger offen anderen Menschen gegenüber, weil ich keine Lust mehr darauf habe, alles und jeden gut zu finden. Über den Deutschen ohne Polnischkenntnisse, der sich über fehlerhafte Äußerungen polnischsprachiger Germanistikstudentinnen beschwert, habe ich mich schon genug aufgeregt. Aber: Diese Antipathie ist ein Grund für mich, diese Person zu ignorieren anstatt zu jeder Gelegenheit Smalltalk mit ihr anzufangen. Die Person, die du oft gefragt hast, ob ihr mal was machen wollt, sie aber "I call you later" sagt und es sowieso nicht macht? Die interessiert mich jetzt auch nicht mehr. Und ich mag auch keinen Smalltalk mehr anfangen, wenn ich sie zufällig irgendwo treffe. Ich bin so gefestigt, dass ich es nicht nötig habe, ihr noch immer gefallen zu wollen.

6. Du willst keine sinnlosen Kurse an der Uni belegen, nur weil du mehr ECTS brauchst
Es wäre zwar einfach, zum mittlerweile vierten Mal einen Kurs zur Einführung in die Linguistik zu belegen und es gäbe ja auch massig ECTS dafür! Aber mittlerweile hast du keine Lust mehr darauf. Du möchtest etwas lernen und hast ernsthaftes Interesse daran, deinen Horizont in deinem Studienfach zu erweitern. Deswegen fragst du den Koordinator an deiner Heimuni, ob du auch mit weniger ECTS nach Hause kommen kannst, und deine Gründe dafür sind sogar gut.

Eins steht für mich jedenfalls fest: ich nehme ganz andere Erfahrungen mit nach Hause - verglichen mit meinem ersten Auslandssemester. Doch wer weiß, was noch alles auf mich zukommt, das kann ich erst im Juli sagen. Denn dann ist meine Zeit hier offiziell vorüber. Vielleicht ändere ich im Laufe der Zeit auch noch meine Meinung über diese 6 Dinge. Und genau das ist noch immer das Spannende: Nicht zu wissen, was der morgige Tag genau bringt.

Hast du eine Zeit im Ausland verbracht und findest du dich in den Punkten wieder? Ich bin auf Kommentare gespannt!

Mittwoch, 22. März 2017

Erasmus-Packliste: Koffer packen für ein halbes Jahr, Neuauflage!

Derzeit bin ich mitten in meinem Auslandssemester in Danzig an der polnischen Ostseeküste. Wie bereits vor zweieinhalb Jahren möchte ich wieder meine Packliste veröffentlichen, denn da hat sich einiges geändert im Vergleich zu damals. Man wird eben älter und damit auch schlauer ;) Außerdem musste ich das Wetter stärker mit einbeziehen, denn in einem Sommersemester im Norden Polens muss man mit Minustemperaturen im Februar genauso wie mit Hitze im Juni rechnen.

Es fängt schon damit an, dass ich mit dem größtmöglichen Koffer losgedüst bin und ihm mit bis zu 32 kg vollstopfen kann anstatt mit zwei kleinen 21kg-Köfferchen. Das hat schon mal den Vorteil, dass man für das Schleppen nur eine Hand braucht anstatt zwei. Aus Kroatien fuhr ich vor zwei Jahren mit der Bahn und einem Bus nach Hause. Das war günstiger als Fliegen, denn ich hatte ja sehr viel Gepäck dabei und das ist im Flugzeug ja immer teuer. Ich wusste damals nicht, dass es so ätzend werden würde, alles zu schleppen: zwei 21kg-Koffer, ein Rucksack, eine Handtasche, ein Jutebeutel mit Essen und eine Laptoptasche lassen sich nicht gerade leicht schultern. Vor allem dann nicht, wenn man insgesamt vier Mal umsteigen muss (schon der Tramfahrer hatte jedenfalls keine Geduld und wäre um ein Haar losgefahren, als ich noch in der Tür festklemmte, ein Koffer schon drinnen in der einen Hand, einer noch draußen auf dem Bahnsteig in der anderen Hand... aber das ist eine andere Geschichte). Jedenfalls, es war nicht ungefährlich. :D Diesmal wollte ich es mir ein bisschen leicher machen und habe die folgenden Dinge eingepackt:

1. Kleidung
  • 5 dicke Pullover, 5 mäßig dicke Pullover
  • 18 T-Shirts und Blusen
  • 4 Strickjacken und 1 Blazer
  • 3 Jeans
  • 4 Röcke
  • 4 Kleider, 2 Shirtkleider
  • 1 Bikini 
  • 2 Schlafanzüge
  • 1 Winterjacke
  • 20 Paar Socken und ein Paar Kuschelsocken, 22 Schlüppis, 3 BHs 
  • Schuhe
    • braune Ankle Boots
    • schwarze Schnürschühe
    • schlichte, schwarze Ballerinas
    • bordeauxrote und weiße Sneakers
    • FlipFlops
    • Stoffschlappen für im Haus
  • je einmal Mütze, Schal, Handschuhe 
  • 4 Halstücher
Ja, das ging tatächlich alles in einen Koffer. Für die sehr sehr kalte Anfangszeit hier (-7°C!) hätte ich mir doch den ein oder anderen dicken Pulli mehr gewünscht, zumal ich drei Wochen lang nicht waschen konnte. Shirts und Blusen kann man hervorragend mit den Strickjacken kombinieren, egal ob Winter oder Sommer. Die Röcke und Kleider nahmen nicht viel Platz weg und werden noch mehr zum Einsatz kommen, wenn es ein bisschen wärmer wird, genau so wie der Bikini. Die Jeans kann ich gut durchwechseln. Wäsche und Socken kann ich so im Zweiwochentakt waschen. Lediglich bei den BHs finde ich die Nicht-Auswahl manchmal ein bisschen traurig. Generell kann ich aber sagen, dass es mir hier Klamottentechnisch an nichts fehlt. Über Ostern werde ich allerdings nach Hause fliegen und kann dann die Winterjacke gegen ein dünneres Modell eintauschen.

2. Bad
  • Reisegrößen Shampoo, Conditioner, Waschgel, Handcreme, Wattestäbchen, Haarspray, Trockenshampoo
  • volle Bodylotion, Feuchtigkeitscreme, BB Cream, kleine Nivea, zwei volle Handcremes
  • Rasierer und 3 Ersatzklingen
  • 2 kleine Handtücher, 2 große Duschtücher
  • Mascara, Kajal, Eyeliner, Abdeckstift, Concealer, Puder, Rouge in neu und voll
  • Nagelpflegeset
  • Bürste
  • Auswahl an Schmuck
Aus Platzgründen habe ich zunächst mit den Reisegrößen gelebt und hier dann, sobald ich in meiner WG war, große Shampoo-, Conditioner- und Waschgelflaschen gekauft (da ich wusste, dass es auch in Polen Rossmann gibt). Durch die doppelten Handtücher kann ich immer eine Garnitur waschen, während ich die andere benutze. Nützlich fand ich vor allem, den Schmuck in zwei kleine Pappschachteln mit Deckeln gepackt zu haben - so kann ich ihn auch hier in meinem kleinen Zimmer gut aufbewaren. 

3. Haushalt
  • Medikamente (volle Packungen Ibuprofen, Imodium, Vomacur, zwei Allergiesprays, zwei Nasensprays, die Pille); Taschentücher
  • Gemüsebrühe, EDEKA Brotkorb, ein Paar Süßigkeiten
  • zwei Kreditkarten, TAN-Gerät meiner Bank
  • Bettwäsche, aber kein Laken
  • 1 Putzlappen und eine Spülmittel-Reisegröße
Die Medikamente muss ich allein für meinen inneren Seelenfrieden vorrätig haben. Die Gemüsebrühe von Maggi ist und bleibt für mich die einzig Wahre, deswegen musste die mit. Der Brotkorb ist mit einzeln verpackten kleinen Schwarzbrotscheiben gefüllt. Da es hier auch leckeres Schwarzbrot gibt, war der Brotkorb letztendlich sinnlos, konnte ich aber nicht wissen. Ein Laken habe ich hier gekauft, während ich noch im Hostel war. Die eigene Bettwäsche dann aber hier auf die Decke zu ziehen, das war einfach schön und für mein Wohlbefinden ein absoluter dicker Pluspunkt (obwohl der Vermieter mir Bettwäsche zur Verfügung gestellt hätte). Der Putzlappen hat sich bewährt, da ich mein Zimmer direkt putzen konnte, ohne groß die Koffer ausgepackt zu haben bzw. einkaufen gehen zu müssen und ich dementsprechend nichts aus dem Weg räumen müssen. Der Vormieter hat nämlich großzügig schwarze kurze Haare liegen lassen.

4. Freizeit
  • 6 Bücher (teilweise Reclam = klein) und 1 Taschenkalender
  • Nintendo DS + Ladekabel und Spiele
  • Laptop, externe Festplatte + Ladekabel und Maus
  • Smartphone + Ladekabel
  • Schreibblock, Federmäppchen, 5 Mappen, Karteikarten
  • 1 Stofftier
  • Kamera + Ladekabel
  • 2 Handtaschen (klein und groß), 2 Jutebeutel, 1 Beutelrucksack
  • 1 Rucksack
  • Täschchen mit ein paar Stiften, Notizheften, Kleber, Tesafilm und 3 Masking Tapes
Viel zu wenig Bücher, aber gerade so viele, wie ich sie noch rechtfertigen konnte. Ich hoffe, in Polen auch noch englischsprachige und vielleicht sogar deutschsprachige Bücher kaufen zu können. Die technischen Gegenstände nutze ich natürlich auch häufig, ebenso wie die Taschen und Beutel. Und man, bin ich froh, ein paar Stifte und Masking Tape (unter anderem dieses) mitgenommen zu haben, damit kann man sich das Leben wirklich leicht verschönern! (Außerdem: Ja, ich bin 25 und ich nehme auf große Reisen noch immer ein Kuscheltier mit. Ich steh dazu! ;) 

5. Und sonst?
  • Packing Cubes 
  • 1 Vorhängeschloss
  • Fotos und Postkarten von Freunden und Familie 
  • Patafix
  • kleine Souvenirs
  • Reiseunterlagen
Die Packing Cubes sind super, um im Koffer Ordnung zu halten. Aber auch in meinem Schrank, denn darin liegen jetzt Unterwäsche und Socken, ohne ständig durch die Gegend zu rollen. Mit dem Schloss konnte ich im Hostel den Koffer abschließen und mich so immerhin ein bisschen sicherer fühlen. Die Fotos hägen mittlerweile an meinem Schrank und jeden Morgen freue ich mich darüber, von Familie und Freunden angelächelt zu werden.  

Ich habe versucht, minimal zu packen. Minimalismus ist nicht so mein Ding, das habe ich dabei festgestellt. Ich musste bestimmt drei Mal alles wieder aus dem Koffer rausholen, um mit einer anderen Packvariante vielleicht noch ein Teil mehr unterbringen zu können. Mittlerweile habe ich eher das Gefühl, ich hätte doch noch weniger mitnehmen können. Bislang bin ich aber zufrieden und zumindest vermisse ich nichts.

Hast du schon mal für einen langen Zeitraum deinen Koffer gepackt? Worauf musstest du verzichten, worauf konntest du es nicht?

Sonntag, 30. November 2014

[Erasmus #7] Powerstart und Startschwierigkeiten in ein Erasmus-Semester


Aller Anfang ist schwer, auch wenn man sich noch so sehr darauf freut. Ich habe mich sehr gefreut, als ich endlich die Koffer für mein Erasmussemester packen konnte, schließlich hatte ich da zum ersten Mal das Gefühl, dass es richtig losgehen würde.

Als ich dann, nach einer vierstündigen Zugfahrt, einer Nacht bei meiner Schwester in Bonn, dem frühmorgendlichen Aufstehen, der allerletzten Verabschiedung, der Fahrt zum Flughafen (mit zwei Umstiegen in Bahnhöfen ohne Aufzug mit zwei Koffern, vielen Dank), abheben und wieder landen ENDLICH einen Fuß in das geliebte Land setzen konnte, war vieles schön, vieles aber auch nicht.

Um die Angst vor dem Anfang ein klein wenig zu lindern erfahrt ihr hier, wie es mir ging und wieso am Ende - natürlich - alles gar nicht so schlimm war wie zuvor befürchtet. 

Heimat auf Zeit im Herbst.

Die Schwierigkeiten: Wohnen

Da ich kein Zimmer im Wohnheim bekommen konnte, hatte ich zunächst ein Hostel gebucht. Da ich keine Ahnung hatte, wo in Zagreb das Leben pulsiert, buchte ich irgendeins am Stadtrand (zumal ich spät gebucht hatte und im Zentrum nichts mehr zu finden war) für zunächst eine Woche. Mein erstes Mal im Hostel! Die Menschen dort waren nett und halfen mir, wo sie nur konnten. Dennoch konnten auch sie mir das blöde Gefühl nicht nehmen, kein Zuhause mehr zu haben. Ich empfand es als schlimm, nicht zu wissen, wer Abends vielleicht noch in meinem Zimmer schlafen könnte, keinen gescheiten Platz zum kochen oder Frühstücken zu haben. Aber am schlimmsten war es, aus den Koffern zu leben: Da ich die am Flughafen nochmal umpacken durfte (der eine war drei Kilo zu leicht, der andere ein Kilo zu schwer. Ja, damit war ich unter den gebuchten 42 Kilo, aber bitte, ich mach' mich am Flughafen ja gern zum Affen..), hatte ich keine Ahnung, was wo war. Alle anderen Erasmusmenschen sahen immer so schick aus, und ich musste das anziehen, was gerade oben im Koffer lag. :-D Firstworldproblems, i know.

Mittagessen ohne Kochen.

Das Gute daran

Dank des Buddy-Programms vom Erasmus Student Network Zagreb, oder kurz ESN, wurde mir ein sehr nettes Mädchen als Buddy zugeteilt: Meine liebe Irma. Sie holte mich vom Busbahnhof ab, brachte mich zum Hostel, half mir bei Übersetzungsfragen und überhaupt allem. Sie weiß alles, sie kann alles. :-) Ich bin ihr noch immer für alles dankbar, was sie für mich getan hat, und das ohne eine Gegenleistung zu erwarten. So fühlte ich mich für den Anfang ein wenig sicherer.
Auch war es am Ende gar nicht schlecht, dass das Hostel so abgelegen war. Dadurch habe ich immerhin die Gegend um Ljubljanica kennenlernen können (dort kommt man nicht zufällig vorbei. Vor allem, weil es dort nicht besonders schön ist) und ich kenne ein paar mehr Tram-Linien gut, das hilft, wenn man in der Gegend zu tun hat.
Obendrein war die Wohnungssuche unfassbar leicht. Auf Englisch habe ich bei drei Inseraten bei Njuskalo angerufen. Ein Mal wurde ich abgelehnt, da sie keine Ausländer in der Wohnung wollten. Die anderen Male hatte ich direkt einen Besichtigungstermin am selben Tag bekommen und in die erste Wohnung durfte ich dann auch direkt einziehen.

Drinnen ist es schöner.

Die Schwierigkeiten: Bürokratie

Wer Franz Kafkas "Schloss" kennt, muss hier nicht weiterlesen, denn genauso funktioniert der Bürokratieapparat in Kroatien (zumindest sehr ähnlich). Am ersten Tag wollte ich mich als angekommen melden (eine Verpflichtung meiner Heimuni Bielefeld), war jedoch fünf Minuten nach Feierabend da und niemand wollte mir einen Stempel geben. Am nächsten Tag war ich wieder da, diesmal pünktlich, und niemand wollte mir einen Stempel geben. Komisch, meine Uni hatte so einen Druck gemacht, das Einschreiben schnell zu erledigen, aber hier in Zagreb hatte offenbar niemand diese Eile.Auch bei der heiß ersehnten Mensakarte, mit der ein Essen nur umgerechnet 1 Euro kostet, lief es ähnlich. Oder eher noch viel schlimmer, Wartezeit drei Wochen!
Insgesamt war ich sicher 15 Mal in diesen Büros, bis ich alle Unterlagen abgegeben, abgestempelt, ausgefüllt und was auch sonst immer erledigt hatte... Ihr könnt euch vorstellen, wie erleichtert ich war, nachdem das schlussendlich abgeschlossen war. Dauer: etwa 1 Monat!
Nochmal in Kürze alles, was man an schriftlichem Kram erledigen muss:

  • Stempel vom Ankunftsdatum für die Heimuni (falls gefordert)
  • Einschreibeunterlagen abgeben und mit Stempel wieder abholen
  • INDEKS abholen (sowas wie unsere digitale Prüfungsverwaltung)
  • damit die Tramkarte holen
  • Mensakarte (Iksica) bezahlen
  • und jeden Tag fragen, ob man sie abholen darf
  • ... sie irgendwann tatsächlich abholen
  • damit bei der Bibliothek anmelden
  • beim Internetmenschen anmelden, um Zugriff zu Uni-Rechnern etc. zu bekommen
Entspannen in der Natur nach dem Bürokratiewahnsinn.


Das Gute daran

Der Erasmus-Koordinatorin der Filosofki Fakultet, dem für mich zuständigen Bereich, kann man nicht den Vorwurf machen, unfreundlich zu sein. Jedenfalls weiß das niemand so genau, die Frau hat ihre Launen (und kann ihre schlechten vielleicht einfach nur gut verstecken). Die meisten Kroaten waren sehr hilfsbereit, die Germanistik-Koordinatorin allen voran. Auch die Studenten, alle sprechen gut englisch und helfen, wo sie können. Aber das beste daran (falls man etwas gutes an Bürokratie finden kann) war, das alles abgeschlossen zu haben!
Außerdem sind die oben genannten Punkte eine sehr gute Lektion für alle Möchtegern-Kroaten: Geduld mitbringen. Man steht überall an. ÜBERALL. Egal für was. Einfach Zeit mitbringen, und vielleicht ein gutes Buch.

Kaffee mit den Mädels.

Die Schwierigkeit: Sich sozialisieren

Ich bin eher ein introvertierter Mensch. Ich hatte vor diesem Auslandssemster in Zagreb vor allem Angst vor zu vielen lauten Menschen, zu vielen Parties, zu viel Unruhe und Stress, bedingt durch meine Introversion. Zwar weiß ich mittlerweile - auch dank diesem Blog eines Introvertieren für Introvertierte, besser mit dieser "Schüchternheit" umzugehen, aber dass ich zwischendurch eine Pause von allem brauchen würde war mir klar. So viele neue Gesichter und Persönlichkeiten, alles auf Englisch, so viele neue Orte und Wege, die man sich merken muss (besonders schwer, wenn man sowieso keine Orientierung hat, haha).Was, wenn alle viel mehr Action brauchen als ich oder was, wenn genau das Gegenteil eintrifft? Was, wenn alte Gefühle bezüglich meiner Introversion und den Schwierigkeiten auftauchen und diese es mir unmöglich machen, zu sprechen?

Pfannkuchenspaß mit den Mitbewohnern.

Das Gute daran

Niemand hat Freunde, alle möchten schnell Freunde finden. So einfach ist das. Es gibt so viele Menschen, die ein Erasmussemester machen - in Zagreb sind es in diesem Wintersemester etwa 400 (!), das sind mehr als je zuvor. An meinem allerersten Abend traf ich eine Gruppe Mädchen, ein paar deutsche, Polinnen, Spanierinnen, Slowakinnen, Holländerinnen, Litauerinnen... und seit dem waren wir eigentlich unzertrennlich. Ich habe schnell liebe Freunde getroffen. Ja, feiern gehen wir wirklich oft, aber wenn jemand keine Lust hat, dann wird das akzeptiert. Auch hatte ich viel Angst wegen den Geschichten auf dieser fürchterlichen Seite (schaut sie euch nicht an, wenn ihr solche Angsthasen seid wie ich), doch keine davon trifft zu. Wer zuhause normal ist, bleibt das auch im Auslandssemester. :-)

Puh, dieser Eintrag ist doch recht lang geworden und zum Ende hin auch sehr persönlich. Ich hoffe, dem ein oder anderen konnte ich damit ein wenig Angst nehmen und ihn überzeugen, sich auch auf das wundervolle Abenteuer Auslandssemester einzulassen. :)

Freitag, 5. September 2014

[ERASMUS] #2 Einschreibung an der Gastuni

Hier kann man eigentlich nicht viel zu sagen, denn jede Uni hat ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen. Meine schickte mir per Email eine Liste mit allen Dingen, die sie wollte und sagte genau, wer wo welche Unterschrift gegeb muss. Das alles wollte sie dann per Post geschickt haben.

Bei mir waren das:
  •  ein Lebenslauf auf Englisch
  • ein ausgefülltes und unterschriebenes Learning Agreement [das Dokument, wo ihr alle gewünschten Kurse der Auslandsuni eintragt]
  • ein Grade Transkript [also ein Ausdruck von eurem Transkript, wo alle Kurse und Leistungen drinstehen und das auf Englisch und beglaubigt > Ging bei uns im International Office, besser sofort abgeben, denn die Person, die die Übersetzungen prüft, benötigt dazu eine gewisse Zeit, vor allem, da alle Erasmus-Menschen diese Übersetzung gleichzeitig haben möchten]
  • Certificate of Enrolment, also eine Immatrikulationsbescheinigung
  • Kopie von beiden Seiten des Personalausweises
  • Sprachkenntnisnachweise

Zu dem Zeitpunkt, als ich die Mail bekam, hatte ich noch etwa zwei Wochen Zeit! Das ist fast gar nichts, wenn man bedenkt, dass alle Dozenten grundsätzlich ihre Sprechstunden zu den unpassendsten Zeiten haben und alles irgendwie beglaubigen lassen muss. Also nichts wie los.

Dennoch war es eng, aber eine Woche vor Fristende hatte ich alles beisammen. Also zur Post. Wie lange würde denn der Versand dauern? "Also mit acht Tagen müssen Sie schon rechnen." "Auch, wenn wir es per Eilbrief schicken?" "Auch dann. Das gibt sich nicht viel. Versuchen können wir es trotzdem."

Das hat mich dann immerhin 8,75 Euro gekostet. Der gute Eilbrief International.



Und pünktlich kam es dennoch nicht an.

Das kostete mich einige Nerven. Aber glücklicherweise wurde ich trotzdem angenommen (um die Nerven zu schonen, würde ich es aber nicht nochmal darauf ankommen lassen). Wie es dann weitergeht, könnt ihr bald in #3 lesen.

Karneval in Rijeka

Ich stelle mir vor, wie ich auf einem Felsen am Strand sitze, die Füße in das mittlerweile sehr kühle Wasser halte, ein sladoled in der H...